Die gefühlte Wahrheit

 

 

Presseausssendung

 

„Die gefühlte Wahrheit“

 

 

Bei der Diskussion über das Ausscheiden von Großbritannien aus der EU haben die Brexit-Befürworter dreiste Lügen verwendet; so wurde unrichtig behauptet, dass Großbritannien wöchentlich 350 Mio Pfund an die EU überweisen würde, dass Großbritannien weiterhin Zugang zum einheitlichen Markt haben wird, dass Großbritannien für die Finanzkrise zahlen müsste und dass die Einwanderer die Löhne drücken würden. Der amerikanische Präsident hat in seinem Wahlkampf Lügen über die Einwanderung verbreitet, über seine Biographie, zum Thema Arbeitsplätze und über angebliche Anschläge.

 

Dennoch ist die Abstimmung in Großbritannien für den Brexit ausgegangen; Donald Trump wurde trotz seiner Lügen zum Präsidenten gewählt.

 

Wir leben also in einer Zeit, wo zumindest bei den genannten Beispielen, die Wahrheit nicht zählt, sondern das sogenannte Postfaktische. 

Wahrscheinlich ist man aber mit der Lüge nicht richtig umgegangen. Es genügt nicht, Behauptungen zurückzuweisen.

Lügen müssen als solche benannt werden. Nur beginnt dann die Arbeit erst. Denn die Korrektur einer Lüge hinterlässt eine Lücke im Geist. Deshalb ist eine offensichtliche Lüge eine wirksame Waffe. Die Lücke im Geist muss mit neuen Informationen gefüllt werden. Ohne eine neue, wahre Erzählung bleibt die Korrektur wirkungslos, so wie ein Verdacht an einem Angeklagten haften bleibt, der vor Gericht freigesprochen wird, ohne dass der wahre Täter identifiziert wird.

 

Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Wettstreit von Lüge und Wahrheit hat kürzlich Schweden geliefert. Als der amerikanische Präsident fälschlich behauptet hat, dass es in Schweden einen Anschlag von Islamisten gegeben hätte, um seinen rechtswidrigen Einwanderungsstopp zu rechtfertigen. In Wahrheit haben die schwedischen Medien über Tatsachen berichtet, die passiert sind: die Polizei hat einen alkoholisierten Autofahrer gestoppt, ein Sänger hat mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt und eine Straße wurde wegen Lawinengefahr gesperrt.

Die Lüge wurde so selten wie möglich wiederholt, sondern eine wahre Geschichte angeboten. So sollte es funktionieren. Statt Lügen von Populisten hinterher zu putzen, müssen eigene, wahre Geschichten und Ideen entgegengesetzt werden. Es geht darum, den Lügnern das Publikum auszuspannen.


Auch in Österreich, meint der ÖKB.

 


Graz, am 28.02.2017                                                                                 ÖKB Bundesverband



schließen