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Alltagskultur als Leitkultur

ÖKB – Presseaussendung

 

Alltagskultur als Leitkultur

 

 

Der Wunsch, eine Leitkultur festzulegen hat zwei Motive:

 

Zum einen geht es um die Bestimmung unserer Identität im integrierten Europa und der globalisierten Welt angesichts der Herausforderung von Migration und Flüchtlingen, zum anderen geht es darum, zu definieren, was von Migranten und Flüchtlingen an Integration erwartet werden kann.

 

Der Begriff „Leitkultur“ ist mit beiden Motiven überfordert, wenn er die Bundesverfassung zum Dreh- und Angelpunkt macht. Natürlich stiftet die Verfassung mit den Einrichtungen und Verfahren, mit Ideen und Traditionen Identität. Sie regelt den Staat als Demokratie, die Gesetzgebung, an die die Verwaltung und die Gerichte gebunden sind. Mit der Aussage zu den Parteien, zu Kirchen, zur Wissenschaft und Kunst, zu Schule und Beruf, Ehe und Familie gestaltet sie die Gesellschaft. Mit der Verordnung der Verfassung als Leitkultur gelingt aber weder eine Entscheidung über die Identität, noch, was von Migranten und von Flüchtlingen an Integration verlangt werden kann.

 

Die Österreicher identifizieren sich aber nicht nur über den Staat, sondern auch über Nation und Volk. In diesem Bereich wird eine gewisse Bedrohung wahrgenommen, durch die Minarette der Moscheen, durch grillende türkische Familien in Parks, durch das Verhalten von Jugendlichen oder durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung, die zu einer Sehnsucht nach Aufgehobensein und zu heimatlicher, nationaler Zugehörigkeit führt. Selbst wenn es gelingen würde, daraus Identität abzuleiten, zur Klärung, was von Migranten und Flüchtlingen verlangt werden kann, taugen auch Nation und Volk nicht.

 

Dazu kann die Alltagskultur als Leitkultur herangezogen werden.

 

Die Alltagskultur als Leitkultur ist der Inbegriff der Erwartungen, deren Erfüllung wir im alltäglichen Umgang voraussetzen, nicht ohne Lernbereitschaft, weil wir wissen, dass sie sich wandeln kann. Die Alltagskultur beginnt mit den Erwartungen, dass sich unser Gegenüber mit uns sprachlich verständigen kann, uns offen begegnet, die gängigen Formen des Umgangs wahrt, seine Aggressionen beherrscht, in Konflikten zu Gesprächen und Kompromissen bereit ist, anderen in Not Hilfe leistet, die ihm zumutbar ist. Sie reicht bis zur Erwartung, dass das Gegenüber die Bedeutung für die Traditionen und Manifestationen der Geschichte und Kultur unseres Landes für uns anerkennt und unsere kulturelle, religiöse und ethnische Vielfalt respektiert und sich bemüht, einer Arbeit nachzugehen.

 

Diese Alltagskultur ist Leitkultur, weil sie aus Erwartungen besteht und weil Erwartungen Verhalten lenken.

 

Die Alltagskultur als Leitkultur hat Berührungspunkte zur Verfassung und zu unserer nationalen Identität. Die Alltagskultur als Leitkultur legt nicht unsere Identität fest. Sie klärt aber, was von Migranten und Flüchtlingen, die zu uns kommen, an Integration erwartet werden kann. Wir erwarten von Migranten- und Flüchtlingskindern, dass sie die Alltags- und Leitkultur in der Schule aufnehmen und von den Eltern und anderen Erwachsenen, dass sie sich mit ihr ausreichend vertraut machen und sich an sie halten. Die Erhaltung der Alltagskultur als Leitkultur ist letztlich eine Sache von uns selbst, die Respektierung eine Pflicht für alle, meint der ÖKB.

 

Graz, am 02. 10. 2017                                                              Dr. Franz Unterasinger, VP ÖKB BV


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